Schön, dass du hier bist. Setz dich, ich erzähl dir etwas, das mir am Anfang niemand so gesagt hat. Die meisten probieren künstliche Intelligenz einmal aus, lesen den Text, den sie ausspuckt, und denken: „Klingt nett, aber nicht nach mir.” Und dann lassen sie es wieder. Verständlich. Nur liegt das nicht an der Maschine. Es liegt daran, dass sie noch gar nicht weiss, wer du bist.
Ein Content-Assistent ist wie ein neuer Mensch im Team. Am ersten Tag kennt er weder dich noch deine Kundschaft noch die Wörter, die du nie in den Mund nimmst. Er macht seine Arbeit ordentlich, aber generisch. Erst wenn du ihm erzählst, wie der Laden läuft, wird er richtig gut. Genau so ist es hier. Und die gute Nachricht: Das Erzählen machst du einmal, nicht bei jedem Text neu.
Künstliche Intelligenz schreibt nicht schlecht. Sie schreibt nur nach niemandem, solange du ihr nicht sagst, dass sie nach dir schreiben soll. Olga Reyes-Busch
Warum der erste Entwurf so glatt klingt
Wenn du einfach nur „Schreib mir einen Post über XY” eintippst, greift die künstliche Intelligenz zum Durchschnitt. Sie hat Millionen Texte gesehen und mischt daraus etwas Unauffälliges zusammen. Das ist der glatte, leicht seelenlose Ton, den viele meinen, wenn sie sagen: „Das erkennt man doch sofort.”
Das Problem ist nicht die Maschine, sondern die fehlende Ansage. Sie weiss nicht, dass du kurze Sätze magst. Sie weiss nicht, dass du „Kundinnen und Kunden” schreibst und nicht „Zielgruppe”. Sie weiss nicht, dass du keine Ausrufezeichen benutzt und keine grossen Versprechen machst. Woher auch. Du hast es ihr nicht gesagt.
Sobald du das änderst, ändert sich alles. Aus dem Durchschnitt wird dein Ton. Und der Unterschied zwischen „nett” und „das bin ja ich” liegt fast immer in drei Dingen: Kontext, Ton-Regeln und die richtigen Aufgaben.
Zuerst der Kontext: sag ihr, wer du bist
Bevor du auch nur einen Text schreiben lässt, gibst du der künstlichen Intelligenz das Wichtigste mit. Wer bist du? Was machst du? Für wen? Eine Coachin, die überforderte Mütter begleitet, klingt anders als ein Steuerberater für Handwerksbetriebe. Und beide sollen nicht klingen wie das Internet, sondern wie sie selbst.
Ich mache das gern so, als würde ich einer neuen Kollegin über die Schulter erzählen: Das hier ist mein Business, das sind meine Leute, so rede ich mit ihnen, das verspreche ich und das verspreche ich bewusst nie. Ein paar Sätze reichen. Wichtig ist nur, dass sie da sind, bevor die Arbeit losgeht.
Dieser Kontext ist kein einmaliger Prompt, den du danach wegwirfst. Er ist die Grundlage. Wie du ihn einmal richtig aufsetzt, damit die künstliche Intelligenz dein Business und deine Sprache dauerhaft kennt, habe ich Schritt für Schritt im Beitrag Claude für dein Business einrichten beschrieben. Hier geht es um den Alltag danach: wie du täglich damit arbeitest, wenn das Fundament steht.
Dann die Ton-Regeln: einmal festhalten, nicht ständig wiederholen
Kontext sagt, wer du bist. Ton-Regeln sagen, wie du klingst. Das ist der Teil, der deine Texte unverwechselbar macht, und der Teil, den die meisten überspringen.
Ton-Regeln sind einfache, konkrete Sätze. Zum Beispiel: kurze Sätze, Du-Form, keine Fachwörter ohne Erklärung. Keine Ausrufezeichen. Diese fünf Wörter benutze ich nie. Lieber ein Bild als eine abstrakte Behauptung. Klingt banal, wirkt aber enorm. Je genauer deine Regeln, desto weniger musst du am Ende umschreiben.
Der eigentliche Trick ist: Du hältst diese Regeln einmal fest und dann kennt die künstliche Intelligenz sie bei jeder neuen Aufgabe. Du erklärst nicht bei Post Nummer vierzig zum vierzigsten Mal, dass du keine Ausrufezeichen magst. Genau darum geht es, wenn Menschen von einem Content-Assistenten „in der eigenen Stimme” sprechen. Nicht Zauberei, sondern gut gepflegte Regeln. Wenn du tiefer einsteigen willst, wie du solche Anweisungen sauber formulierst, schau in ChatGPT und Claude Prompts auf Deutsch.
Die eigentliche Arbeit: wiederkehrende Content-Aufgaben
Jetzt kommt der Teil, der dir wirklich Zeit zurückgibt. Denn ein Content-Assistent glänzt nicht beim einmaligen grossen Wurf, sondern bei den Aufgaben, die immer wiederkommen. Und davon gibt es im Alltag einer Selbstständigen jede Menge.
Aus einem Blogartikel drei Social-Media-Posts machen. Einen langen Text auf die Hälfte kürzen, ohne dass die Aussage leidet. Eine Idee in fünf Varianten formulieren, damit du die beste aussuchst. Eine Überschrift, die nicht sitzt, zehnmal neu vorschlagen lassen. Einen Newsletter aus einem Podcast-Skript ziehen. Nichts davon ist schwer. Es ist nur viel, und es wiederholt sich.
Genau solche Arbeit gibst du ab. Du gibst die Richtung vor und prüfst das Ergebnis, die künstliche Intelligenz macht das Wiederholende dazwischen. Aus viel Aufwand wird wenig, und du bleibst trotzdem die Autorin, weil die Stimme deine ist. Wie du aus einem einzigen Stück Inhalt eine ganze Woche Content ziehst, zeige ich im Beitrag Content erstellen mit künstlicher Intelligenz und Zeit sparen.
Und ja, alles, was ich hier beschreibe, funktioniert mit ChatGPT genauso wie mit Claude. Nimm das Werkzeug, das du schon hast. Das Ergebnis zählt, nicht der Name auf dem Knopf.
Der ehrliche Teil: prüfen bleibt deine Aufgabe
Ein Content-Assistent nimmt dir die Fleissarbeit ab, nicht die Verantwortung. Der letzte Blick gehört immer dir. Klingt der Satz nach mir? Stimmt das inhaltlich? Würde ich das so vor meinen Leuten sagen? Wenn nicht, korrigierst du eine Regel und probierst es noch einmal. Mit jeder Runde wird der Assistent besser, weil du ihm beibringst, worauf du wert legst.
Der Denkfehler, den ich am Anfang selbst gemacht habe: Ich wollte den perfekten Text auf Knopfdruck. Den gibt es nicht. Was es gibt, ist ein sehr guter erster Entwurf in deiner Stimme, fertig statt vor dem leeren Blatt zu grübeln. Das ist der ganze Gewinn, und er ist grösser, als er klingt.
So fängst du an
- Schreib in ein paar Sätzen auf, wer du bist und für wen du arbeitest.
- Halt deine Ton-Regeln einmal fest, zum Beispiel Satzlänge und verbotene Wörter.
- Gib eine wiederkehrende Aufgabe ab, etwa einen Post aus einem Artikel ziehen.
- Lies das Ergebnis kritisch durch und korrigier, was noch nicht nach dir klingt.
- Ergänz deine Regeln um das, was du dabei gelernt hast.
Wenn du diese Arbeitsweise nicht allein ausprobieren willst, sondern mit Menschen, die dieselben Fragen haben: In meiner Community zeige ich genau solche Abläufe, teile meine eigenen Regeln und Prompts und du kannst fragen, wenn etwas hakt. Komm gern dazu, wir sitzen alle am selben Küchentisch und tüfteln.
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