Schön, dass du hier bist. Setz dich, ich zeig dir etwas, das dir eine Menge Frust erspart. Denn ich wette, du hast das schon erlebt: Du tippst eine Frage in ChatGPT oder Claude, drückst Enter, und heraus kommt ein glatter, freundlicher, völlig belangloser Text. Nichts falsch daran, aber auch nichts, das du wirklich brauchen kannst. Und dann denkst du: „Bei mir funktioniert das irgendwie nicht.”
Ich sage dir gleich das Wichtigste vorweg: Nicht du bist das Problem, und die künstliche Intelligenz ist es auch nicht. Es liegt an der Ansage. Ein guter Prompt ist kein Zauberspruch, den nur Eingeweihte kennen. Er ist einfach eine klare Bitte. Und klare Bitten kannst du. Du machst das jeden Tag mit Menschen.
Ein guter Prompt ist keine Geheimformel. Er ist eine klare Bitte an eine sehr fleißige Kollegin, die alles kann, aber nichts errät. Olga Reyes-Busch
Warum sind meine Antworten so allgemein?
Weil die KI rät, wenn du sie raten lässt. Schreibst du „Schreib mir etwas über Pinterest”, bekommt sie tausend mögliche Richtungen und wählt die mittigste. Das Ergebnis ist Durchschnitt, weil dein Auftrag Durchschnitt war.
Die gute Nachricht: Du musst nichts Technisches lernen. Du musst nur ein paar Dinge dazusagen, die dir selbst sonnenklar sind, der Maschine aber nicht. Genau dafür kommen jetzt die sechs Regeln. Nimm sie dir nicht als Pflichtprogramm, sondern als Werkzeugkasten. Oft reichen schon zwei davon.
Regel 1: Gib der KI eine Rolle
Sag zuerst, wer die künstliche Intelligenz gerade sein soll. Das klingt banal, verändert aber den ganzen Ton der Antwort. Eine „erfahrene Pinterest-Beraterin” schreibt anders als ein „nüchterner Steuerprofi”.
Statt: „Erklär mir Pinterest.” Besser: „Du bist eine erfahrene Pinterest-Beraterin für Solo-Selbstständige. Erklär mir, warum Pinterest eher eine Suchmaschine als ein soziales Netzwerk ist.”
Regel 2: Sag genau, was du willst
Vage Aufträge geben vage Antworten. Je konkreter du bist, desto weniger musst du hinterher aufräumen. Nenn die Aufgabe, den Umfang und worum es genau geht.
Statt: „Schreib was über Freebies.” Besser: „Schreib mir drei kurze Ideen für ein Freebie, das eine Ernährungsberaterin ihrer E-Mail-Liste anbietet. Jede Idee in zwei Sätzen.”
Merke dir: Ein Prompt ohne konkretes Ziel ist wie ein Einkaufszettel, auf dem nur „Essen” steht.
Regel 3: Nenn die Zielgruppe
Für wen ist das Ergebnis? Ein Text für Einsteiger klingt völlig anders als einer für alte Hasen. Wenn du der KI sagst, wer das lesen wird, trifft sie die richtige Tonlage von allein.
Statt: „Erklär künstliche Intelligenz.” Besser: „Erklär in einfachen Worten, was künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag leisten kann. Für eine Coachin, die sich mit Technik unwohl fühlt und keine Fachbegriffe mag.”
Wie du solche Erklärtexte dann in fertige Beiträge verwandelst, zeige ich dir im Beitrag Content erstellen mit künstlicher Intelligenz und dabei Zeit sparen. Prompt und Content hängen zusammen: Der eine steuert, der andere ist das Ergebnis.
Regel 4: Bestimm die Form
Sag, wie die Antwort aussehen soll. Als Liste, als Fließtext, als Tabelle, als Beitrag mit Zwischenüberschriften. Ohne Formvorgabe wählt die KI selbst, und meistens nicht das, was du gebrauchen kannst.
Statt: „Gib mir Ideen für Blogartikel.” Besser: „Gib mir zehn Blogartikel-Ideen als nummerierte Liste. Zu jeder Idee eine Überschrift und einen Halbsatz, worum es geht.”
Diese eine Zeile spart dir oft mehr Zeit als alles andere, weil du das Ergebnis nicht mehr umbauen musst.
Regel 5: Zeig ein Beispiel statt es zu beschreiben
Das ist der Trick, der am meisten bringt und den kaum jemand nutzt. Die KI soll in deinem Ton schreiben? Dann beschreib deinen Ton nicht lang und breit, sondern zeig ihn. Ein einziger echter Satz von dir sagt mehr als drei Absätze Erklärung.
Statt: „Schreib locker und persönlich.” Besser: „Schreib im Ton dieses Satzes weiter: ‚Schön, dass du hier bist, setz dich, ich zeig dir das mal ganz in Ruhe.’ Genau diese Wärme und Nähe möchte ich.”
Beispiele sind die Abkürzung zu deiner eigenen Stimme. Wenn du magst, hinterleg deinen Ton sogar dauerhaft, damit du ihn nicht jedes Mal neu erklären musst. Wie das geht, steht in den ChatGPT- und Claude-Prompts auf Deutsch, meiner Sammlung erprobter Vorlagen zum Anpassen.
Regel 6: Bleib im Gespräch und schärf nach
Die letzte Regel nimmt allen Druck raus: Dein erster Prompt muss nicht perfekt sein. Ein Prompt ist ein Gespräch, kein Automat, in den du eine Münze wirfst. Wenn die Antwort noch nicht passt, fang nicht von vorn an, sondern sag einfach, was fehlt.
„Das ist mir zu lang, kürz es auf die Hälfte.” „Der zweite Punkt gefällt mir, bau die anderen genauso um.” „Klingt zu werblich, mach es ruhiger und ehrlicher.”
So kommst du fast immer weiter als mit dem Versuch, gleich die eine perfekte Anweisung zu formulieren. Nachschärfen ist keine Notlösung, es ist die eigentliche Kunst.
Und in welchem Werkzeug?
All das funktioniert gleich gut in ChatGPT und in Claude. Nimm ruhig das Werkzeug, das du ohnehin schon offen hast. Die sechs Regeln gelten überall, weil sie nicht von der Technik abhängen, sondern davon, wie klar du deine Bitte formulierst. Das Ergebnis führt, nicht der Name auf dem Knopf.
Und du merkst gleich beim Ausprobieren: Sobald deine Prompts besser werden, sparst du dir das mühsame Nachbessern hinterher. Aus einer vagen Frage und drei Korrekturrunden wird eine klare Ansage und eine Antwort, die sitzt. Das ist der eigentliche Zeit-Hebel.
Nimm dir für den Anfang nicht alle sechs Regeln auf einmal vor. Such dir die zwei heraus, die dir am meisten fehlen. Bei den meisten sind das Regel 2 und Regel 5, also konkret werden und ein Beispiel zeigen. Probier sie beim nächsten Prompt aus, und du wirst den Unterschied sofort sehen.
So übst du die Regeln ein
- Schreib deinen nächsten Prompt bewusst mit einer klaren Rolle für die KI.
- Sag genau, was du willst, mit Umfang und Thema in einem Satz.
- Häng ein echtes Beispiel aus deinem Ton an, statt ihn nur zu beschreiben.
- Lies die Antwort und schärfe mit einem kurzen Satz nach, statt neu zu starten.
- Heb die Prompts auf, die gut funktioniert haben, für das nächste Mal.
Wenn du beim Üben eine zweite Meinung möchtest oder deine besten Prompts mit anderen teilen willst, die genau wie du allein an allem sitzen: In meiner Community tauschen wir genau solche Vorlagen aus. Komm dazu, frag deine Fragen, zeig deine Prompts. Zusammen lernt sich das leichter als allein vor dem leeren Eingabefeld.
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